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Insider Wien: Jasper Sharp

Jasper Sharp

Jasper Sharp ist Kurator und Kunsthistoriker. Er kuratiert Zeitgenössisches und Modernes für das Kunsthistorische Museum und war 2013 Österreichs Biennale-Kommissär.

von Maria Schoiswohl / 16.03.2014

Was macht Wien in Sachen Kunst einzigartig?
Die Diversität der Institutionen. Es gibt die Secession, einen der ältesten von Künstlern geführten Spaces der Welt (Friedrichstraße 12). Es gibt die Generali Foundation mit einer der großartigsten Sammlungen an Konzeptkunst (Wiedner Hauptstraße 15). Es gibt die Albertina, eines der einmaligsten Lager an Papierarbeiten, das TBA21 (Scherzergasse 1a), das Museum für angewandte Kunst (Stubenring 5). Die Diversität macht Wien einfach einzigartig. Das hat man sonst nur in großen Städten wie New York und London.

Albertina

Albertinaplatz 1
1010 Wien
+43 1 534830
www.albertina.at

Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien
Welche Trends beobachten Sie in der Kunstszene?
Wien und die zeitgenössische Kunst in Wien haben eine sehr komplizierte Beziehung mit der Idee der Schönheit. Ich habe ein paar Projekte im Theseustempel im Volksgarten gemacht und die Besucher sagten "Das ist wunderschön” so als ob es ein schmutziges Wort wäre. Ich finde diese Gespräche rund um die Schönheit seltsam. Ich sehe auch seit ein paar Jahren eine kleine Balgerei zwischen zwei sehr unterschiedlichen Kunststrängen: Einerseits dieser zerebrale, konzeptionelle Strang, den man bei einigen etablierten und jungen Künstlern sieht. Andererseits dieser sehr performative, körperliche Typ, eine Hinterlassenschaft des Aktionismus, wenn man so will. Das sind zwei sehr entgegengesetzte Stränge und dennoch koexistieren sie in Wien sehr glücklich nebeneinander.
Theseustempel, Volksgarten, 1010 Wien
Was halten Sie von den Off-Spaces in Wien?
Ich mag diese von Künstlern betriebenen Orte und verfolge, was sie machen. Sie sind ein wichtiger Teil der Kunstfabrik hier. Ich gehe oft ins Ve.Sch. Auch das weisse haus, das ja fast eine Institution ist, ist ein gutes Projekt (Argentinierstraße 11). Für mich füllen diese Off-Spaces ein gewisses Vakuum, das in der Galerienwelt existiert. Wien hat eine Fülle an etablierten Galerien und Galeristen, aber ich habe eine gewisse Sorge, wie die Szene in zehn, fünfzehn Jahren aussieht. Bei den Junggaleristen gibt es drei, vier mit einem starken Programm. Andreas Huber, Emanuel Layr (An der Hülben 2), Karin Handlbauer (Getreidemarkt 14) etwa. Es gibt aber noch viel Platz zwischen der etablierten und der jungen Generation.

Ve.Sch

Wehlistrasse 27b
1200 Wien
+43 676 6748796
www.vesch.org

Ve.Sch, Wehlistrasse 27b, 1200 Wien
Sie leben im 5. Bezirk. Wo und wie verbringen Sie einen freien Tag?
Wir fahren oft ins Grüne. Nachdem der fünfte Bezirk nicht sehr grün ist und ich und meine Frau am Land aufgewachsen sind, fahren wir gerne in den Lainzer Tiergarten und in die Lobau. Oder wir gehen ins Kino, ins Filmcasino gleich ums Eck. Natürlich schaue ich mir irrwitzig viel Kunst an. Außerdem haben wir gerade ein kleines Baby und verbringen die Zeit natürlich auch anders als früher. Wir essen gerne, kaufen gerne Lebensmittel ein, kochen, gehen essen. Die kulinarische Seite Wiens entdecken wir gerne.

Filmcasino

Margaretenstraße 78
1050 Wien
+43 1 5879062
www.filmcasino.at

Filmcasino, Margaretenstraße 78, 1050 Wien
Wo?
Die Gegend hier im 5. hat sich gut entwickelt. Kuishimbo kocht fantastisch (Linke Wienzeile 40), die Paninoteca hat großartige Sandwiches (Margaretenstraße 22). Coté Sud französische Küche, das Radlager gute Salate (Operngasse 28). Gleich bei uns ist auch Zweitbester (Heumühlgasse 2) und die Weinschenke (Franzensgasse 11). Die sind ein wenig cool für uns, aber die Atmosphäre und das Essen sind gut. Erst kürzlich haben wir auch sehr gut in der Labstelle gegessen (Lugeck 6). Großartig. Und ab und an gehen wir zu Charly P's für Fisch und Chips (Währinger Straße 3). Wenn es um Wiener Küche geht dann sind wir im Ubl, das ist auch mein Lieblingslokal für Palatschinken (Pressgasse 26). Ich liebe es, wenn es in Restaurants und Cafés ganz ruhig ist. Im Ubl hört man eine Erbse fallen. Das hat etwas Ehrwürdiges. In den traditionellen Cafés spielt keine Musik, man hört die Menschen plaudern, das Rascheln der Zeitungen. Als es letzthin im Café Drechsler, wo wir am Wochenende oft Frühstücken, Musik spielte, war ich ziemlich überrascht (Linke Wienzeile 22). Tja und wenn’s ums Einkaufen geht, gehen wir zum Feinkoch in der Theobaldgasse (Nr. 14) und am Wochenende auf den Bauernmarkt am Ende des Naschmarktes. Wir sind große Kaspressknödel-Fan, und ein paar der Fleischhauer am Markt haben die. Oder der Meinl am Graben (Nr. 19).

Coté Sud

Schleifmühlgasse 8
1040 Wien
+43 1 2080375
www.cotesud.at

Coté Sud, Schleifmühlgasse 8, 1040 Wien
Als frisch gebackene Jungfamilie - wie gestalten sich da die Nächte?
Es gibt keine Nächte (lacht). Nein, wir gehen schon noch aus, wenn auch nicht mehr so viel wie früher. Und da ich ein eher klassischer Mann bin, liebe ich die Loos Bar. Sie ist die schönste Bar der Welt. Meine Frau und ich hatten dort unser erstes Date, somit ist der Ort etwas besonders für uns (Kärtner Durchgang 10). Eine Neuentdeckung war kürzlich Unger und Klein im Hochhaus!

Unger und Klein im Hochhaus

Herrengasse 6-8
1010 Wien
www.imhochhaus.at

Unger und Klein im Hochhaus, Herrengasse 6-8, 1010 Wien
Wie entdecken Sie Wien zu dritt?
Unsere Tochter ist acht Monate und letztens haben wir es mit Fischen versucht – im Haus des Meeres. Sie hat die Farben und Bewegungen verfolgt und nach den Fischen länger geschlafen als jemals zuvor. Vielleicht gibt es für uns in Zukunft also mehr Fisch. Ich freue mich aber auch schon sehr auf den Zoo (Maxingstraße 13b) und das Naturhistorische Museum (Burgring 7). Unter uns gesagt – ich liebe diese Dinge und werde wohl nur vorgeben, ich mache sie wegen meiner Tochter. Natürlich werden wir uns auch viel Kunst ansehen, das wird ganz wichtig, wenn sie älter ist. Ich freue mich auch schon auf die Kuchenodysseen. Meine ganze Familie liebt Kuchen. Wir mögen den Topfenstrudel im Café Diglas (Wollzeile 10) und die Milchschnitte des neuen Joseph (Landstraßer Hauptstraße 4).

Haus des Meeres

Fritz-Grünbaum-Platz 1
1060 Wien
+43 1 5871417
www.haus-des-meeres.at

Haus des Meeres, Fritz-Grünbaum-Platz 1, 1060 Wien
Welches Hotel empfehlen Sie für einen Aufenthalt in Wien?
Ein Hotel, in dem ich selbst schon ein paar Mal übernachtet habe, ist das Altstadt Wien. Ich habe dort geschlafen wie ein Baby. Die haben auch ein großartiges Frühstück und eine wirklich nette Atmosphäre. Im Hotel Toppaz war ich ebenso schon und habe es sehr genossen (Lichtensteg 3). Und ein paar Freunde von uns waren im Hollman Beletage (Köllnerhofgasse 6). Da schätzen wir auch den Salon, ein großartiger Ort für ein ruhiges Abendessen (Grashofgasse 3/Heiligenkreuzerhof).

Altstadt Vienna

Kirchengasse 41
1070 Wien
+43 1 5226666
www.altstadt.at

Altstadt Vienna, Kirchengasse 41, 1070 Wien
Was vermissen Sie, wenn Sie nicht in Wien sind?
Die Lebensqualität. Als ich hierher kam dachte ich – Wien ist langsam. Aber ich habe erkannt – Wien ist nicht langsam, es ist normal und menschlich, die anderen Städte wie New York und London sind einfach zu schnell. Es ist eine sehr gute Stadt zum Leben. Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange in Wien bleibe, aber ich sehe uns auch nicht irgendwo anders hinziehen. Könnte ich die Stadt ergänzen, dann würde ich das Meer hinzufügen. Ich komme von einer Insel und das ist das einzige, das ich vermisse.
Wien


Jasper Sharp

Schikanedergasse 2/1
1040 Wien

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