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Insider Oberösterreich: Martin Sturm
Oberösterreichisches Kulturquartier
OÖ Kulturquartier und OK Centrum für Gegenwartskunst Oberösterreich – Martin Sturm leitet zwei der wichtigsten Kultureinrichtungen des Landes.
In den letzten Jahrzehnten hat Linz einen Image-Wandel durchgemacht, der mit Linz09 einen Höhepunkt fand. Wie hat sich die Stadt seither verändert? Welche Tendenzen nehmen Sie wahr?
Erfreulicherweise sehen heute auch Wirtschaftstreibende und Touristiker, dass die Kultur ein besonders zu Linz passender Standortfaktor ist, der viele Vorteile bringt. Wir haben nicht nur ein hervorragend ausgestattetes Musiktheater, sondern auch sogenannte „weiche“ Faktoren, die Stadt und Region unverwechselbar machen. Zu nennen ist da nicht nur der Höhenrausch, sondern auch Festivals wie Crossing Europe und Ars Electronica, aber auch Künstlergruppen wie die Time‘s Up, die sich über die Jahre durch Eigenproduktionen an einem besonderen Standort (Hafen) eine große künstlerische Kompetenz angeeignet haben. Die Tabakwerke, dieser großartige Industriebau, hat ebenfalls das Potential, sich in den nächsten Jahren zu etwas ganz Besonderem zu entwickeln.
Crossing Europe Filmfestival Linz, Graben 30, 4020 Linz
Welche Neueröffnungen sind Ihnen zuletzt ins Auge gestochen?
Das Netzwerk an Ausstellungseröffnungen und Kooperationen, das Next Comic geschaffen hat. Das ist ein kleines aber sehr effizientes Festival, das zeigt, dass man gemeinsam stärker ist und auf die Qualitäten einer funktionierenden Netzwerk-Struktur setzen sollte. „Jeder für sich und Gott gegen alle“ kann nicht die Devise sein.
1977 polarisierte die Architektengruppe "Haus-Rucker-Co" mit der Installation ihrer "Nike" am Brückenkopf-Gebäude. 2015 soll sie auf Ihre Initiative wieder aufgestellt werden. Gibt es aktuell vergleichbare Orte in der Stadt, die kunst- und kulturpolitische Diskussionen auszulösen vermögen?
Es ist eine kleine Ewigkeit her, dass die "Nike" so polarisiert hat (37 Jahre) und trotzdem ist das Thema noch so präsent. Das ist schon bemerkenswert und auch eine Qualität der Kunst. Sie ist ein Stachel, den man nicht so leicht los wird und eine lange Nachwirkung hat. Ob, wo und wie wir die "Nike" aufstellen, werden wir erst sehen. Tatsache ist jedenfalls, dass es heute eine größere Akzeptanz für Kunst gibt als damals, auch das ist der Erfolg einer jahrelangen Beschäftigung mit neuen Kunstformen in einer Stadt. Da kann schon ein anderes Mikroklima entstehen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Kunst im öffentlichen Raum immer diskussionsanfälliger ist als in der schützenden Hülle des Museums – ganz banal auch deswegen, weil man sich im öffentlichen Raum nicht aussuchen kann, ob man ihr aus dem Weg geht.
Linzer Hauptplatz
Der "Höhenrausch" hat sich als Erfolgsformat erwiesen, um Kunst einer möglichst breiten Bevölkerung attraktiv zu machen. Welche Orte würden Sie gerne noch bespielen?
Wir sind zufrieden, wo wir sind. Soll heißen: Die Dächer des Passage-Kaufhauses, des City Parkhauses und des OK ebenso wie der angrenzende Kirchturm und die alten Dachböden bieten noch viele Möglichkeiten. Interessant ist es sicher auch, darüber nachzudenken, wo der Höhenrausch in sieben Jahren stehen wird. Er hat ja mit der Dachlandschaft eine Art „Oberstadt“ geschaffen, die vorher nur funktionell (Autoabstellplätze) oder gar nicht zugänglich war. Insofern ist der Höhenrausch ja mehr als eine „Ausstellung“.
Mit dem Kulturquartier ist inmitten der Stadt ein Kulturbezirk entstanden. Wo besuchen Sie darüber hinaus Ausstellungen?
Ich versuche über den Tellerrand zu schauen. Der Horizont dabei beginnt in Krems, einer für zeitgenössische Kunst hochinteressanten Stadt, und führt bis nach Sao Paulo, wo alle zwei Jahre eine tolle Kunstbiennale abgehalten wird.
Nicht nur bei Festivals wie Crossing Europe verspürt das OK internationalen Flair. Wo bringen Sie internationale Gäste unter?
Linz09 hat eine Hotelinfrastruktur befeuert, die wir nutzen. Besonders gerne sind unsere Künstlergäste aber auch an ungewöhnlichen Orten mit starker Atmosphäre, wie zum Beispiel in den Gästezimmern des Priesterseminars in der Dametzstraße.
Priesterseminar Dametzstraße, Dametzstraße 14, 4020 Linz
Die Grottenbahn ist vielleicht der "bekannteste Geheimtipp" der Stadt. Welches Kleinod zeigen Sie gerne Gästen?
Der Pöstlingberg gibt einen guten Überblick und im Kontrast dazu der Hafen, den wir viel zu wenig wahrnehmen.
Linzer Hafen
Regensburger Straße 7
4020 Linz
+43 732 34006940
www.linzag.at/portal/portal/linzag/businesskunden/logistiktransport/hafen_1/centerWindow;jsessionid=FE8A96CEB5F253067E90C4E99372396D.node2?plaginit=1&action=1
Die Umbenennung vom Arena- zum OK-Platz lässt sich auch als inhaltliche Ansage verstehen. Gerade im Sommer erfreut sich das Areal mit seiner Gastronomie großer Beliebtheit. An welchen anderen Plätzen der Stadt halten Sie sich gerne auf?
Der OK-Platz ist ein gutes Beispiel dafür, dass man einen langen Atem braucht, dann lohnt es sich aber. Die anderen Teile der Stadt durchstreife ich eher mit dem Fahrrad und ich liebe es, dass Linz so nahe am Grüngürtel liegt.
Und in welchen Läden überzeugt Sie das Sortiment?
In der Buchhandlung Alex, erstaunlich, welche belletristische Qualität und Auswahl der auf kleinem Raum zustandebringt.
Zuletzt: Wo haben Sie Ihren letzten Kinofilm gesehen?
Den Siegerfilm von Crossing Europe im Moviemento.
Oberösterreichisches Kulturquartier