Urlaub nach Corona im Bergergut: Untouristisch und idyllisch - A-List
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Bergergut-Chefin: Mehr Sinn und Tiefgang

Bergergut

Eva-Maria Pürmayer, Chefin des Adults-only-Hotel Bergergut in Oberösterreich wirft wichtige Fragen in der Corona-Krise auf: War ein Crash nicht absehbar? Eine Verschnaufpause wünschenswert? Und was macht die wertvolle Erfahrung mit uns, dass es etwas so völlig Selbstverständliches wie Reisen plötzlich nicht mehr gibt?

von A-List / 15.04.2020

 

Bergergut-Chefin Eva-Maria Pürmayer genießt die Zeit mit ihrer Familie. c beigestellt

A-LIST: Wie schaut dein Familien-Alltag momentan aus? Wie verbringst du den Tag?
Ja genau, Familien-Alltag! So entschleunigt war Zeit für die Familie bei uns noch nie – eine gute Seite der Krise. Wir sind Ganzjahres-Hoteliers und haben normalerweise 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag viele Menschen im Hotel.  Es ist schön, Zeit zu verbringen, ganz ohne Zeitdruck. Daran könnte ich mich gewöhnen.

Wir als kleine Familie sind in diesen letzten Tagen öfter am Esstisch zusammengesessen als die gesamten fünf Jahr davor. Plötzlich ist auch Zeit und Raum für gemeinsames Kochen und für Tischregeln. Für unseren Sohnemann heißt das auch mal, ruhig am Tisch sitzen zu bleiben und alles zu kosten; für uns Eltern: KEIN Handy während der gemeinsamen Genuss-Zeit. Einen ganz bewussten und konsequenten Familientag pro Woche werden wir jedenfalls auch nach Corona beibehalten. Eine Frage der Priorität.
Wir sind auch viel im (leeren) Hotel und renovieren und verbessern in und rund um unser kleines, feines Haus, das ja als Bergergut schon über Jahrzehnte hier steht, schon einige Krisen gemeistert hat, aber noch NIE so lange geschlossen war.

Hier kommst du zur A-List-Story über das Adults-only-Hotel Bergergut.

A-LIST: Es gibt also durchaus gute Seiten am neuen Tagesablauf... 
Wir waren als Familie am Bach Wildkräuter sammeln, haben in Ruhe Ostereier gefärbt, im April-Wetter Schneemänner gebaut, mit den Kindern gebastelt, in der Sonne Uno gespielt, zusammen Mundharmonika zu lernen begonnen und das Klavier wieder ins Wohnzimmer gestellt. Ich persönlich nehme mir viel mehr Zeit fürs Innehalten. Für Visionen, für Meditationen, für innere Reisen… und für meine sportlichen Ausflüge laufend oder am Rad in die Natur, ganz stressfrei.

Hier geht's zur A-List-Geschichte über das Culinariat, das hoteleigene Haubenrestaurant.

A-LIST: Welche Plätze in deiner Gegend geben dir momentan Kraft?
Der unberührte Wald (wir sind damit ja gesegnet), die so ruhige Naturidylle rund um uns. Ich liebe die Natur, sie fasziniert und inspiriert mich immer und zu jeder Jahreszeit.

WIE GEHT DIE REISE WEITER? 10 Trends für den Sommerurlaub 2020

Mit diesen Hoteliers sprechen wir noch über die Corona-Krise:

Martina Toifl vom The Mozart Hotel Salzburg: Krisen beflügeln

Rösslwirtin Gudrun Peter: Kraftplatz nach Corona

Der Regentanz von Puradies-Chef Michael Madreiter

Hochschober-Chefin Karin Leeb: "Corona verändert viel"

Krone Hittisau: Dietmar Nussbaumer über Corona

Dietmar Silly: Privat, privater, Pures Leben

Die Hollmanns über das Post-Corona-Reisen

Kraft, Mut und Fleiß: Hotel Stein-Direktorin Margot Weindorfer

Family Austria Hotels: "Glück hoch 2"

ARX Hotel: Klasse statt Masse im Tourismus

Hotel Seefischer: Michael Berndl schaut mit den Augen der Gäste

Blaue Gans Salzburg: Andi Gfrerer und die Achtsamkeit

Riederalm Leogang: Reisen ist Freiheit

Bergergut-Chefin: Mehr Sinn und Tiefgang

Golden Hill: Hideaway als Urlaubszuhause

Auf der Welle: Im Hotel Hirschen in Vorarlberg

Stadthotel Brunner: Mitte finden in Schladming

Steiermark: Neue Langsamkeit im Hotel Höflehner

Das Goldberg: Vera Seer über geschenkte Zeit

 

Wenn das Bergergut im Ruhemodus ist, bleibt genug Zeit für gemeinsames Kochen. Praktisch, wenn der Papa Haubenkoch ist! c beigestellt

Untouristisch, idyllisch: Natururlaub nach Corona

A-LIST: Nach dem ersten Schock - wie schätzt du die Lage in deiner Region und deinem Haus ein? Welche Pläne gibt es für die Zukunft?
Ich bin davon überzeugt, dass die Stärken unserer so untouristischen, idyllisch-grünen, authentischen und naturbelassenen Region Mühlviertel UND unseres kleinen, feinen, individuellen Hotels mit familiärer Unternehmensstruktur und klarer Ausrichtung auf Paare und nachhaltigen Genuss, nun stärker denn je punkten können. Unsere Lage im idyllisch-abgelegenen Mühlviertel am grünen Band Europas ist seit Jahrhunderten die Heimat meiner Familie und auch für mich persönlich ein Ort der echten Entschleunigung und zugleich inspirierende Kraft-Tankstelle. Hier kann die Seele WIRKLICH baumeln und Kraft tanken.
Wir lieben und forcieren die Positionierung unseres kleinen Hotels als „kleiner, feiner, ganz persönlicher Lieblingsplatz für genussaffine Paare, für all jene, die das Individuelle suchen… Zweisamkeit fernab vom Mainstream…“ Die Ausrichtung auf „nur für Paare“ bleibt und wird noch stärker. Ganz ohne Kitsch, mit umso mehr Privatsphäre. Unsere Vorteile schon jetzt: Es gibt keine großen Räume, keine Buffets (alles inklusive unserem Gourmet-Frühstück wird serviert), die Saunen und Dampfbäder sind für maximal vier Personen, das Restaurant ist großzügig mit vielen Nischen für zwei.
Aktuell bauen wir gerade viel im Garten, rund um den Naturteich und an einem Holzofen-Häuschen im Garten. Mein Mann Thomas bäckt nach dem Aufsperren das gesamte Brot selbst. Frisch aus dem Holzofen, natürlich auch „live“ mit unseren Gästen. Es geht um ECHTE Erlebnisse. Um bewusste ZEIT für ZWEISAMKEIT. Unser Motto für unsere Gäste: Die schönsten Seiten des Paar-Seins ganz bewusst genießen.

A-LIST: Was unternimmst du in deinem Hotel, damit Gäste jetzt buchen oder umbuchen?
Besonders unsere Stammgäste sind in dieser Zeit einmal mehr einfach wunderbar. Sie haben Ihre Aufenthalte nicht storniert, sondern dafür Gutscheine gekauft, um uns zu unterstützen. Ihr Lieblingsplatz soll ja auch noch lange erhalten bleiben.

Im Bergergut gibt es kein Buffet. Alles wird serviert. Hinterm Herd:  Chefkoch Thomas Hofer. c Bergergut

A-LIST: Was sind deine drei Forderungen an die Politik?
Ich gehöre nicht zu jenen, die immer gleich im Außen fordern und jammern. Ich bin einmal mehr sehr dankbar, hier in Oberösterreich am Land leben zu dürfen/können. Und ich glaube, dass am Beginn dieser Phase viele Dinge von unserer Politik sehr gut gemacht wurden! Es gibt NIE nur einen Weg zum Ziel oder eine richtige Meinung. Und wenn schnell gehandelt werden muss, passieren natürlich Fehler. Daraus sollten wir jetzt lernen. Ich hoffe nur, dass diese Krise nun nicht zu sehr benutzt wird.
Ich versuche, die Dinge selbstbestimmt zu lösen. Darum bin ich auch so gerne Unternehmerin, deswegen bin ich auch eine Verfechterin von Freiheit und Eigenverantwortung. Aber man kann Eigenverantwortung nicht nur in guten Zeiten leben wollen und in schlechten Zeiten dann die Schuld bei allen/m Anderen suchen. Wir sind – sowohl als Unternehmer, Arbeitnehmer, Menschen und österreichische Bürger – jetzt in einer Krise, die wir sehr wohl selbst mit unserem Lebensstil mit-verursacht haben. Gerade jetzt sollte jede/r die Zeit nutzen, um sich selbst und seine eigene kleine Welt zu hinterfragen. Immer höher, besser, noch mehr und noch größer, im mittlerweile vollen Bewusstsein auf Kosten von Anderen, auf Kosten von Umwelt, auf Kosten von unserer Gesundheit… Wo soll es denn hinführen? War ein Crash nicht irgendwann absehbar? Eine Verschnaufpause und Verlangsamung vielleicht sogar wünschenswert? Auch ich bin in diesem Radl mitten drinnen, keine Frage.
DA wünsche ich mir ein Umdenken, persönlich, aber auch in der Politik. Es geht nicht darum, noch höher, weiter und noch schneller zu sein, sondern um mehr Tiefgang. Nicht um mehr Profit, sondern um mehr Qualität, Nachhaltigkeit und Sinn! Gleichzeitig heißt das aber für mich nicht Ein-, Ab- und Ausgrenzung, sondern Vielfalt, Respekt, Solidarität und Wertschätzung. Mehr Initiativen und Unterstützung seitens der Politik in diese Stoßrichtung, in der Wirtschaft, Außenpolitik, Forschung, Umwelt, aber auch im Bereich Bildungspolitik. Ja, das wünsche ich mir von Herzen!
Und was ich mir noch sehr wünsche, liebe Politik: mehr Vertrauen in (und die Förderung von) Eigenverantwortung, Hausverstand, Vielfalt und Individualität! Leider passiert hier oft das Gegenteil bzw. werden Krisen dann nach und nach für das Gegenteil benutzt. Stichworte wie Tracking/Überwachung, Pflichtimpfung, Bargeld-Abschaffung, etc. bereiten mir Kopf- und Bauchweh.
Und (gut jetzt sind es tatsächlich schon drei Wünsche oder mehr): Stärkung der Klein- und Mittel-Unternehmensstruktur. Viel mehr EU-Solidarität (menschlich, am Finanz-Markt, uvm.), Kerosin-Steuer für den Flugverkehr... Da gäbe es schon noch ein paar Sachen. Auch die erneute Stärkung der großen Konzerne auf Kosten von Kleinst-, Klein- und Mittelbetrieben, gerade in ärmeren Ländern, bereitet mir Sorgen.

Wandlung als Prinzip des Lebens

A-LIST: Wie heißt dein Leitsatz in der Krise?
If you can´t go outside – go inside. Bestehende Strukturen brechen zusammen. Veränderungen ist/war notwendig. Wandlung ist das Prinzip des Lebens. Lass dich mutig und bewusst auf die Wandlungsprozesse ein. Erkenne die darin liegenden Chancen, erkenne deine Vision und lebe sie. Jetzt erst recht! Und: Wachsam bleiben.

A-LIST: Was sind die Dinge, die du nach der Krise unbedingt machen willst und wirst?
Zum Ersten hoffe ich, dass es mir, mit den aktuellen Erfahrungen in der Tasche, noch besser gelingt, meine ganz persönlichen Visionen tagtäglich zu leben und so nachhaltig zu wirken. Beruflich und privat. Wobei ich das oft gar nicht recht voneinander trennen kann.
Ich bin sehr gerne hier daheim, habe aber fernweh oder besser: Ich liebe die Ferne, die Vielfalt und Weite! Ich bin viel gereist und habe oft im Ausland gearbeitet. Jetzt, wo die Freiheit eingeschränkt wurde und werden musste, wird mir das noch mehr bewusst. Ich und wir, als erste Generation, kannten das ja bis dato überhaupt nicht! Auch diese Erfahrung, dass etwas für uns völlig Selbstverständliches von heute auf morgen plötzlich nicht mehr gilt, finde ich wertvoll. Auch wenn ich dankbar und liebend gerne hier lebe und werke, aber die Verbindung mit anderen Menschen aus anderen Kulturen, mit anderen Naturlandschaften, mit dem Welt-Weit-Blick und der wunderbaren Vielfalt dieser Welt fehlt mir. Darauf würde ich auch nicht verzichten wollen. Aber, und darüber mache ich mir schon einige Jahre Gedanken: Nachhaltig reisend und im Einklang mit der Fremde (Mensch, Natur und Kultur)!



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